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1. Oberligaspieltag: Favoriten unter sich


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von USB am 04 Oct. 2011 21:12

Gleich am ersten Spieltag stand die Begegnung mit Naumburg auf dem Spielplan – es spielten also Abstiegsfavorit Nr. 1 gegen Abstiegsfavorit Nr. 2. Ein Sieg würde für ein angenehmes Bauchgefühl sorgen, ein Unentschieden an den Nerven zehren, und eine Niederlage … Sprechen wir nicht weiter davon.

Meine [USBs] Anreise verlief sehr angenehm, obwohl der ICE überraschend voll war. Über die Stationen Sitzplatz – Speisewagen – Platz auf dem Fußboden gelangte ich auf einen ruhigen Platz, an dem ich ungestört meinen Krimi (ein Fall von Richter Di) lesen konnte. Schließlich lief der Zug pünktlich in Naumburg ein, wo mich ‰ in Empfang nahm und gleich darauf seine Mutter uns nach Hause fuhr. Als ich die Eingangstür hinter mir ließ, glaubte ich für einige Sekunden, bei Millionären zu Gast zu sein: Wer oberbayrische Wohnverhältnisse (und Mieten …) gewohnt ist, fühlt sich in einem Naumburger Altstadthaus wie in einer Industriellen-Villa. Während noch Reste der Dämmerung in der Luft lagen, unternahmen wir einen kleinen Spaziergang durch Naumburg. Anschließend zog ‰ noch eine Vorbereitung für uns aus dem Ärmel.

Der Morgen begann mit einem schönen Frühstück in der überaus angenehmen Gesellschaft der Familie. Aus kulinarischer Sicht besonders hervorzuheben sind die frischen Eier und der Honig vom Onkel. Danach fuhren wir zu „Euro-Ville“, was nicht etwa ein finnischer Bankenretter sondern ein Jugend- und Sporthotel am Rande der Stadt ist.

Tatsächlich waren wir schon zehn Minuten vor Beginn nicht nur vollzählig, sondern auch munter. Die Naumburger gaben allerdings Anlass zu Spekulationen, dass sie nur zu siebt antreten würden. ‰.s Vorbereitung traf ins Schwarze und mein der Nervosität geschuldetes Bauchgrimmen ließ nach. An sich hatte ich als Schwarzer „leichten Ausgleich“ auf dem Brett, doch man muss ja auch etwas mit der Stellung auf dem Brett anfangen können. Nach vierzehn Zügen war noch nichts abgetauscht worden und ich hatte nur noch 44 Minuten auf der Uhr. Zum Glück wollte mein Gegner einige konkrete Züge spielen, und in den folgenden 11 Zügen verschwanden alle Leichtfiguren vom Brett.

In der Zwischenzeit hatte unser erstes Brett kampflos gewonnen. Unser Geowissenschaftler an Brett 3 hatte als Schwarzer eine Trompowsky-Stellung auf dem Brett, in der er auf f6 mit g-Bauern genommen und lang rochiert hatte. Schorsch spielte als Schwarzer im Läuferspiel mutig nach vorn und gab das Läuferpaar für Initiative. Leider bekam ich von dieser Phase des Kampfes nicht viel mit, weil ich damit beschäftigt war, den Ausgleich zu wahren ohne in spürbare Zeitnot zu geraten.

Plötzlich (für mich) hatte unser Geowissenschaftler gewonnen, und dazu noch ‰ an Brett 2. Somit lagen wir 3:0 in Front. Coach hatte Sizilianisch auf dem Brett (mit Weiß). Diesen Vorteil nutzte er und bot Remis an, und sackte im Sinne der Mannschaft einen weiteren Halben ein. Sein Leben scheint an Stabilität gewonnen zu haben.

Es näherte sich die erste Zeitkontrolle. Auf den ersten Blick sah meine Stellung sehr unangenehm aus, denn das weiße Zentrum c3-d4-e4 war der schwarzen „Bauernkette“ e6-f5 um Längen überlegen. Zum Glück ermöglichte ein taktischer Kniff e6-e5 mit Damentausch und Ausgleich im Turmendspiel. Mit der geschafften Zeitkontrolle bot ich Remis, mein Gegner lehnte aber ab. Schorsch geriet unterdessen in trübe Gewässer und wurde von seinem Gegner ausgekontert.

Ich muss einräumen, dass ich die Festigkeit meiner Stellung überschätze – ansonsten hätte ich nicht im 50. schon wieder Remis angeboten. Zum Glück nahm mein Gegner an, denn hätte mein Gegner kompromisslos auf Sieg gespielt, hätte sich nicht – wie ich zuerst dachte – eine leichte Gewinnstellung für mich ergeben, sondern ein scharfes Turmendspiel, dass erst noch analysiert werden muss. Die psychologische Iniative wäre auf jeden Fall beim Gegner gewesen.

Nach Schorschs Niederlage stand es nun 4:2. Durstin stand positionell auf Gewinn und Sünder hatte einen Mehrbauern in einem Endspiel mit Dame, Turm und ungleichfarbigen Läufern. Sünders Gegner musste auf Gewinn spielen und machte auch Druck, wurde dann aber sehr schön ausgekontert. Durstin erreichte eine Gewinnstellung, machte es aber spannend. Leider ließ er nach fast sechs Stunden noch ein Dauerschach im „Damenendspiel“ (zwei gegen eine Dame) zu.

In der Zwischenzeit beehrte uns noch Schäfero mit einem Besuch und spielte Magic mit Schorsch. Eigentlich wollte ein Großteil der Mannschaft noch bis Montag in Naumburg bleiben, doch irgendwie brachen dann doch fast alle auf. Meinen Zug erwischte ich noch, und so ging der Tag mit der Lektüre des Krimis in einem angenehm leeren ICE seinem Ende entgegen.

An dieser Stelle ein Dank an die Naumburger für die guten Spielbedingungen und die angenehme Atmosphäre. Wir freuen uns auf die Doppelrunde in drei Wochen!

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